Die (fast) vergessene Geschichte des Paidomazoma
Der griechische Bürgerkrieg 1946–1949 war nach Ansicht des Historikers Apostolos Vakalopoulos „die größte griechische Tragödie nach der kleinasiatischen Katastrophe“ 1919–1921 (
1204–1985/Neue griechische Geschichte 1204–1985, Verlag Vanias, Thessaloniki 1990, S. 436).
Griechenland hatte von 1940 bis 1944 gegen die deutsch-italienisch-bulgarische Besatzungsmacht einen heroischen Kampf, mit großen Opfern, geführt. Während die anderen europäischen Völker, selbst die kommunistischen, vom sinnlosen Krieg befreit, sich daran machten, das von Hitlerdeutschland verursachte Chaos zu beseitigen, entfachte die Kommunistische Partei Griechenlands einen Bürgerkrieg, der außer neuen Zerstörungen „demographische Neuordnungen“ (Vakalopoulos, a .a. O., S. 437) verursachte: Flucht, Elend, Emigration und Vertreibung.
Das Paidomazoma, die Kinderlese, die Zwangsverschickung von 28000 Kindern am Ende des griechischen Bürgerkrieges in den Ostblock, war ebenfalls eine von der Kommunistischen Partei Griechenlands organisierte Aktion. – Der Begriff „Paidomazoma“ wurde von den Konservativen – in Anlehnung an die Bezeichnung der Kinder- oder Knabenlese in Osmanischer Zeit – benutzt, die ihrerseits Tausende von Kindern in so genannte Paidoupolis beförderten, Kinderdörfern ähnlich, um sie vor den Kommunisten zu retten.
Ich gehörte zu den in die Staaten des Ostblocks rettend entfernten Kindern, die man, wenn von ihnen – ziemlich oberflächlich und teilweise herablassend – berichtet wird, auch Markos-Kinder nennt. (Markos Vafiadis war ein kommunistischer General.)
Im Zuge des Paidomazoma gelangte ich über Albanien und Ungarn nach Ostdeutschland. Im Mittelpunkt der „autobiographischen Skizzen“ stehen das unfreiwillige Verlassen meiner Heimat, die dadurch verursachte Zersplitterung der Familie und der Wechsel als elternloses Kind in eine mir anfangs fremde Welt. Mein autobiographisches Buch „Der Kirschbaum auf dem Berge“ steht als Bericht eines Zeitzeugen in der Tradition der Erzähler (fast) vergessener Zeitgeschichte. Die Skizzen werden durch Schilderungen anderer Betroffener* sowie zur Erläuterung der politischen Hintergründe durch einen historischen Abriss von Professor Hulek ergänzt.
- Eleni Klitsa-Kiszling
- Arjyris Arjyriou
- Stavros Trupis
- Dr. Jorgos Karajannis
- Nikolaos Alexoudis
- Spiros Koumbis
- Dimitrios Vardsakis
- Theodoros Natsoulas
- Niki Mitsidou
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